Thema "Auflösen"

Es ist schon eine Weile her,  seit ich hier das letzte Mal geschrieben habe.

Nun möchte ich mir aber Etwas von der Seele schreiben.

 

In meinem Praxisalltag erlebe ich im Moment oft Menschen, welche sich schon viel mit sich auseinandergesetzt haben, viele Tools kennen, "spirituell" sind, sich um ihre Intuition kümmern und versucht haben, ihr Bewusstsein zu erweitern. Und doch kommen diese Menschen dann mit Themen wie: Energielos sein, grosse Zweifel am Leben, Burnout, depressiven Verstimmungen, keinen Boden/Halt unter den Füssen...

 

Ihre erste Aussage ist dann meist: Ich habe schon so viel aufgelöst und jetzt kommt dieses Thema wieder.

 

Ich möchte hier meine Sicht auf dieses Thema "Auflösen" darstellen. Es beruht auf meiner Erfahrung und auf meiner Wahrnehmung und ich habe nicht den Anspruch auf Recht haben.

Ich wünsche mir, dass du diese Gedanken für dich überprüfst und dann entscheidest, mit was du in Resonanz gehst und wo du Widerstand spürst. Beides ist ok.  Meiner Erfahrung nach ist da, wo der Widerstand kommt, auch das Lernpotenzial drin.

 

Nun zu meiner Sicht auf dieses Thema:

Wenn ein Thema, ein Stress, ein Gefühl oder auch ein Trauma vermeintlich aufgelöst wird, frage ich mich, wohin es dann geht? Es ist ja ein Teil der Geschichte des Lebens dieses Menschen.

Wie kann das dann aufgelöst werden? Und wer hat das Recht, ein Teil der Geschichte eines Menschen aufzulösen?

 

Meiner Wahrnehmung nach löst es sich eben nicht auf, auch wenn man es versucht. Sondern es geht noch ein bisschen weiter weg. Es gibt eine noch grössere Spaltung zwischen dem, was ich aufzulösen versuche und meinem jetztigen Zustand im Hier und Jetzt. Das bedeutet meistens für den ersten Moment eine Entlastung und Erleichterung.  Aber, und genau jetzt kommt der springende Punkt, es ist ja immer noch da, einfach noch weiter versteckt. Und da dieser Teil ja gesehen, gespürt und wahrgenommen werden möchte, meldet er sich auf oft unbequeme Art wieder zurück. Dies kann in Form von Symptomen, Krankheiten, Wutanfällen etc. sein.

Natürlich, auch das kann man wieder versuchen aufzulösen. Spätestens jedoch dann, wenn es sich so aufdrängt, dass "auflösen" nicht mehr funktioniert, muss dann tiefer geschaut werden.

 

Ich habe grundsätzlich eine andere Haltung gegenüber diesen Themen: Ich möchte meine Themen nicht auflösen, sondern integrieren. In meiner Wahrnehmung kann ich erst dann mit diesen Themen einen neuen Umgang finden, wenn ich sie weider bei mir integriert habe. Dann kann ich darüber entscheiden, ob ich es wieder gleich mache wie damals, oder ob ich eine neue Version wähle. Erst dann werde ich Chefin über meine Geschichte und die Geschichte steuert nicht mehr mich. Ich fange an, meine Zukunft zu gestalten und bewusste Entscheidungen zu treffen.

 

Nein, das ist keine einmalige Sache. Im Verlaufe des Lebens spalten wir so viele Anteile von uns ab, immer um in diesen Momenten zu überleben. Immer wenn uns das Leben an so einen Punkt bringt, wo wir diese Abspaltungen wahrnehmen, ist es wieder Zeit, diesen Anteil zu integrieren.

So werden wir Schritt für Schritt zu dem Wesen, als das wir ursprünglich gedacht waren.

 

Das ist meine Idee vom Sinn unseres Daseins: Dass wir unser Leben nutzen um immer mehr Ganz zu werden. Jeder in seinem Tempo und mit seinen mitgebrachten Themen. So gibt es auf diesem Weg auch nicht etwas das Richtig ist oder Falsch ist. Es gibt nur das, was für dich Richtig ist und für dich gerade dran ist.

 

Was ist denn für dich Richtig? Magst du mal reinfühlen, wann du etwas ablösen, weghaben möchtest und wann bist du bereit, das, was zu deiner Geschichte gehört, auch zu dir zu nehmen?

 

Ich bin mir bewusst, dass Auflösen im ersten Moment einfacher klingt.

Meiner Erfahrung nach lohnt sich langfristig aber nur die Integration.

 

Von daher wünsche ich dir von Herzen, dass du dich einlässt auf diese Gedanken und für dich prüfst, was für dich stimmt und wo du auf diesem Weg stehst.

 

Erst wenn du bereit bist in die Tiefe deiner Geschichte zu schauen, wirst du das Leben im Jetzt entdecken können.

Und nein, es sagt niemand, dass es einfach ist. Aber es lohnt sich.

 

 

 

 

Bildquelle: Pixabay

 

©Carla Wey Küng, www.praxis-im-gruenen.ch

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